Rückblick auf den e-coco 2008
Gewinner
Sieger e-coco 2008: Solarthermie im "Baugebiet am Mausbergweg" in Speyer

v.L.n.R.: Herr Dipl.-Ing. Reiner Priggen (Vertretung von der Schirmherrin Frau Regina van Dinther), die Vertreter des Siegerkonzeptes Baugebiet am Mausbergweg in Speyer Herr Alfred Böhmer (GEWO-GmbH Speyer), Herr Wolfgang Bühring (Stadtwerke GmbH Speyer, Herr Dr. Stephan Wilforth (Informationskreis für Raumplanung (IfR) e.V.)
Das Baugebiet am Mausbergweg wurde 2001 vom Land Rheinland-Pfalz im Rahmen des experimentellen Wohnungs- und Städtebaus als Modellvorhaben für kinder- und familienfreundliches Bauen ausgewählt. Das Baugebiet, welches auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs in Speyer ausgewiesen wurde, umfasst 61 Einfamilienhäuser, eingeteilt in 24 Doppelhaushälften und 37 Reihenhäuser. Die Anlage ist als weitgehend autofreies Wohnquartier konzipiert, wobei die PKW-Stellplätze jeweils in nahen Quartiersgaragen untergebracht sind. Die Dächer der Garagen wurden mit Kollektoren ausgestattet (2 x ca. 178m²). Weitere Kollektoren mit einer Fläche von 198m² wurden auf vier Carports (PKW-Stellplätze) errichtet. Sämtliche Kollektoranlagen bestehen aus kostengünstigen großflächigen Kollektordachelementen. Die Montage einer Anlage aus großflächigen Kollektorelementen ist im Vergleich zu Anlagen aus Einzelkollektoren wesentlich günstiger. Zur Entlastung der öffentlichen Entwässerungssysteme wird das anfallende Regenwasser der privaten Grundstücke mehrheitlich in Zisternen zurückgehalten und kann versickern.
Für das Siegerkonzept wurde 2001 ein integrales Energiekonzept erstellt. Ziel des Konzeptes ist es, den wesentlichen Teil des Wärmebedarfs über Solarenergie abzudecken. Die wesentlichen Bestandteile sind die Unterschreitung der Grenzwerte nach der Energieeinsparverordnung (EnEV)1 um 15%, der Einsatz von thermischer Solarenergie und eine Niedrigtemperatur-Wärmeversorgung. Der Betreiber der Nahwärmeversorgung ist die Technik und Dienstleistungs- GmbH Speyer (TDG).
Das Konzept berücksichtigt neben den technischen und wirtschaftlichen auch ökologische Aspekte. So wurden die Gebäude als Niedrigenergiehäuser errichtet, deren Anbindung an die Nahwärmeversorgung für die Bauherren verpflichtend war. Um Wärmeverluste zu vermeiden und den Solarertrag zu optimieren, ist das Nahwärmenetz als Niedrigtemperatur ausgelegt.
Sieger e-coco Sonderpreis 2008: "Ökodorf 7 Linden"

v.L.n.R.: Herr Dipl.-Ing. Reiner Priggen (Vertretung von der Schirmherrin Frau Regina van Dinther), der Vertreter des Gewinners des Sonderpreises Herr Werner Dyck (Siedlungsgenossenschaft Ökodorf e.G.) und Herr Dr. Stephan Wilforth (Informationskreis für Raumplanung (IfR) e.V.)
Das "Ökodorf 7 Linden" besteht seit 1997 und ist eine sozial-ökologische Modellsiedlung in der Altmark (Sachsen-Anhalt). Selbst versteht sich das Ökodorf als ein Modell- und Forschungsprojekt, in dem nachhaltige Lebensweisen in überschaubaren Kreisen erprobt werden. Das Dorf umfasst inzwischen 77ha Land - etwa 42ha Wald, 6,5ha Bauland und 28,5ha Garten, Ackerland und Grünland.
Ziel der Ansiedlung im "Ökodorf 7 Linden" ist es zu zeigen, dass menschliche Nutzung auch einen positiven Beitrag für die ökologische Qualität des Gebietes leisten kann. So bemüht sich das Dorf bei der Gestaltung ihres Geländes Rückzugsorte für Tiere, Kleinbiotope und die Vermehrung der Artenvielfalt zu schaffen und zu fördern.
Die insgesamt 117 Bewohner/-innen, die im "Ökodorf 7 Linden" zusammen leben, organisieren eine Vielzahl an Seminaren, Erlebnistagen und anderen Veranstaltungen für Außenstehende rund um das Thema Klimaschutz und die dazu im Dorf umgesetzten Projekte.
Für die Wasserversorgung hat das "Ökodorf 7 Linden" einen geschlossenen Wasserkreislauf eingerichtet. Hierfür werden 35m³ Grundwasser pro Jahr und Bewohner bzw. knapp 100l/Tag über 2 Brunnenrohre aus ca. 45m Tiefe mit je einer Elektropumpe entnommen. Das abfließende Regenwasser der Dächer sammelt sich in Versickerungsmulden nahe den Häusern, oder wird in den eigenen Feuerlösch-Badeteich geleitet. Der Wasserverbrauch im "Ökodorf 7 Linden" ist durch den Einsatz von Komposttoiletten ohne Wasserspülung auf zwei Drittel des Bundesdurchschnitts gesunken. Für Heizung und Warmwasser werden im Dorf zur Zeit ca. 3m³ Nadelholz für ca. 4500kWh Heizwärme und ca. 600kWh Warmwasserwärme pro Jahr und Mensch verbraucht. In den Wohnhäusern werden ca. 1,4m³ Nadelholz für ca. 2200kWh Heizwärme pro Jahr pro Mensch verheizt. Durch kompakte Häuser, dicke Wärmedämmhüllen (>20cm), Wärmeschutzglas und passive Sonnenenergienutzung durch nach Süden ausgerichtete Wohnräume mit großen Fenstern, ist der Energiebedarf der Gebäude gegenüber dem Bundesdurchschnitt deutlich reduziert. Die Heizwärme- und Warmwasserversorgung erfolgt ausschließlich über Stückholzöfen und Holzvergaserkessel in Kombination mit Sonnenkollektoren und Heizwasserspeichern. Der Stromverbrauch im "Ökodorf 7 Linden" von ca. 500kWh pro Bewohner und Jahr beträgt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt nur etwa ein Drittel. Dies ist damit zu erklären, dass keine Elektroheizer, Warmwasserbereiter oder -herde verwendet werden. Die Waschmaschinen sind mit Warmwasserzulauf bzw. Vorschaltgerät ausgerüstet, um auch hier den Heizstrom zu reduzieren. Mit derzeit über 4m² Photovoltaikanlage pro Bewohner am Netz produziert das "Ökodorf 7 Linden" im Jahr soviel Strom, wie auch verbraucht wird. Der produzierte Strom wird direkt von den Bewohnern im Ökodorf verbraucht und alle Überschüsse fließen direkt in das öffentliche Netz. Nachts, an trüben Tagen und vor allem im Winter wird Strom aus dem öffentlichen Netz hinzugekauft.
Insgesamt sind durch alle verwirklichten Maßnahmen reale Einsparungen von Kohlendioxid in zwei bis fünf Jahren zu erwarten.